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Neu-Helgoland Berlin

Fotos: Peter Herold, Ben Toeffling, Frank Toeffling

Bericht: Hans-Christoph Götze


Mit diesem Bericht habe ich mich etwas schwer getan. Nicht weil die Show so anders war, sondern die Umstände, unter denen sie stattfand. CORONA geisterte seit einiger Zeit durch die Medien und die Welt und hatte inzwischen auch Deutschland erreicht. Erste Veranstaltungsabsagen waren bekannt geworden und hatten den ein oder anderen mit mir Befreundeten schon betroffen. Andere Veranstaltungen an diesem 14. März 2020 wurden abgesagt. Was wurde nun mit dieser Show? Um es vorwegzunehmen: Sie fand statt und war damit wohl die einzige Veranstaltung an diesem Abend und vorläufig die letzte für einen unbestimmten Zeitraum. In einem Forum hieß es zwar am 15. März 2020 „14. April 2020 – und keine Rockmusik auf der Bühne“ oder so ähnlich, was aber ja nicht ganz stimmte. Ich habe eine Weile gebraucht, um das zu verarbeiten. Auch die Umstellung des Lebens „auf den neuen Standard“ brauchte seine Zeit. Deshalb schreibe ich diesen Bericht erst jetzt, fünf Wochen nach diesem denkwürdigen Abend.

 

Die zweite Show in diesem Jahr war wieder einmal ein Heimspiel für QUASTER. Das „Restaurant und Hotel Neu-Helgoland“ war zum zweiten Mal als Spielstätte auserkoren. Ich hatte mich vormittags mit dem Zug in Richtung Berlin aufgemacht. Im Gegensatz zu früheren Reisen dieser Art, habe ich diesmal seit dem Vorabend ständig nach Informationen zur Veranstaltung gesucht. Macht die Reise Sinn? Findet das heute Abend statt? Immer wieder nachschauen. Ungewissheit ohne Ende. Pläne, was ich mache, wenn mich unterwegs die Nachricht erreicht, dass die Veranstaltung abgesagt wurde, gingen mir durch den Kopf. Nach problemloser und pünktlicher Fahrt holten mich Freunde in Erkner vom Bahnhof ab. Praktischer Weise übernachtete ich im Haus der Veranstaltung. Als wir dort eintrafen, begrüßten uns weitere Fans. Ich hatte aber auch schon erfahren, dass einige vorsichtshalber zu Hause geblieben sind. Als wir das Haus betraten wurden wir am Eingang gleich mit einem Schild um Desinfektion der Hände gebeten. Man spürte die eigenartige Situation. Ich checkte ein und verabredete mich mit meinen Freunden auf einen Kaffee im Restaurant. Ich bezog mein Zimmer, zog mich für den Abend um und ging ins Restaurant. Auch hier war einiges anders als gewohnt. Das Personal trug Hygiene-Handschuhe. Dort traf ich auch weitere bekannte Fans, die Begrüßungen erfolgten aber meist auf Distanz.

Es wurde 16:30 Uhr. Ich verabschiedete mich vorläufig von meiner Kaffee-Gesellschaft, denn ich hatte einen Termin. Ich gehörte zu den glücklichen Gewinnern der Teilnahme am Soundcheck. Also begab ich mich zum Eingang des Saals und konnte mit vier weiteren Fans sowie dem „jungen“ Ehepaar aus Halle, die die Teilnahme als Hochzeitsgeschenk bekommen hatten, zum Soundcheck. Es ist schon interessant zu sehen, wie die Sound- und Lichteinstellungen erfolgen. Die Künstler erscheinen dabei noch in „zivil“. Ihr Bühnenoutfit für die Show ziehen sie erst später an. Nach dem Soundcheck hatten wir noch Gelegenheit für Fotos und Autogramme und durften auch im Saal bleiben. Da es aber sowieso keine freie Platzwahl war, hatten wir dadurch keinen wirklichen Vorteil.

Nun war Zeit zum Einlass. Der Saal füllte sich diesmal etwas zögerlich, etwa 200 Gäste waren es schließlich doch. Es war wieder mit Tischen und Stühlen sehr schön eingerichtet. Auch hier gab es Bewirtung am Platz, auch während der Show, mit Speis‘ und Trank, ohne dass es störte. Und wie weiter oben schon erwähnt, arbeitete das Personal unter erschwerten Bedingungen. Mit Gesprächen mit Bekannten verging die Zeit bis zur Show wie im Flug. Kurz vor Beginn wurde jedem Gast noch ein Gläschen Kräuterlikör serviert. Dies sollte aber erst nach Aufforderung durch SCHATTEN getrunken werden.

Die Show begann fast pünktlich mit dem mittlerweile bekannten Intro „Ich bereue nichts“ und QUASTER betrat singend und Gitarre spielend die Bühne. Nach der ersten Strophe begrüßte er unter Applaus die Gäste. Dann holte er wie gewohnt „seinen“ Schatten auf die Bühne. Einige erläuternde Worte zur Pausenhupe, die dabei aufgebaut wurde, und den berühmten gelben Zetteln (die heute allerdings weiß waren) folgten und schlossen ein Dankeschön an das Haus ein. Das leidige Thema CORONA wurde angesprochen und das die Show deshalb etwas gestrafft werden solle und auch die Pause werde verkürzt, verkündete SCHATTEN. Daraufhin erhoben QUASTER und SCHATTEN ein Glas und stießen symbolisch mit uns an. Nun begann das Wechselspiel der Worte zwischen QUASTER und Schatten. Wie üblich wurden die Jugendjahre und ersten musikalischen Schritte von QUASTER beleuchtet. Wer wie ich die Show von Anfang an kennt, bemerkt kleine Änderungen der Erzählungen und Bilder. Die erste Gitarre wurde vorgestellt und QUASTER intonierte Songs aus dieser Zeit. Dazu gehörte auch ein Lied, das er zu Geburtstagen in seiner Verkehrsbauzeichner-Klasse gesungen hat. Nun wurde eine „Gabi“ gesucht. Nein, nicht wirklich gesucht, weil bekannt war, dass unter den mir bekannten Fans ein Geburtstagskind war. Sie wurde auf die Bühne gerufen, war natürlich gut drauf und hat die Momente auf der Bühne sichtlich genossen. Zwei unentwegte Fans brachten ihr nach dem Song noch Blumen auf die Bühne. Mit einem munteren Misch von Gespräch und Gesang und eben solchen Einlagen wurden die Jahre bis 1965 beleuchtet. Als die Ur-PUHDYS angesprochen worden waren, sollte ein Medley aus der Zeit gespielt werden. Da meinte Schatten, dass damals vier Musiker gespielt hätten, sie aber nur zu zweit wären. Wie es denn mit Verstärkung aussehen würde. Peter Rasym und Stefan Schirrmacher wurden auf die Bühne gerufen und es wurde gemeinsam musiziert. Nach diesem Medley sollte noch der weitere Weg bis 1969 angesprochen werden. Doch erst musste QUASTER noch über seinen Schatten springen. Dazu wurde ein Sprungbrett auf die Bühne gebracht, damit QUASTER genügend Schwung bekam. Dann setzten sie das Gespräch fort. Nach einem weiteren Medley ertönte unüberhörbar die Pausenhupe.

Das Programm ging weiter mit einem schlafwandlerisch auf einer Theremien musizierenden „Schatten“. QUASTER kommt dazu und spielt „Sleep walking“ auf der Gitarre. Schatten, der neben der Theremien, während der Show aber auch noch die Stompbox (Fuß-Drum), Mundharmonika, Flöte, Maultrommel und Shaker spielt, verlässt als Schlafwandler die Bühne. Er kommt mit einem Stapel der „gelben“ Zettel zurück. Auf diese konnten die Gäste in der Pause Fragen notieren, die jetzt beantwortet wurden. Dabei kam auch wieder einmal die Frage auf, wann denn QUASTER wieder einmal über seinen Schatten springen würde. QUASTER kam nicht drumherum und sprang, diesmal ohne Sprungbrett (!), über SCHATTEN, der sich dazu auf die Bühne gelegt hatte. Anschließend wurden die Jahre mit den PUHDYS angesprochen und ein PUHDYS-Medley gespielt. Nun wurden die Frauen und Kinder von QUASTER angesprochen. Immer wieder aufgelockert durch musikalische Beiträge. Dann musizierten Peter, Stefan und QUASTER gemeinsam weitere Stücke der Show. Danach verabschiedeten sich die Künstler, gaben aber noch eine Zugabe. Nach dieser verließen die Künstler die Bühne. QUASTER gab aber, begleitet von Stefan, noch eine Zugabe. „Stolz“ interpretierte er auch im Gedenken an seinen verstorbenen Sohn Carsten „Beathoven“ Mohren. Dem war aber immer noch nicht genug! Als krönenden Abschluss gab es als dritte Zugabe noch die „Eisbärn“.

Die Show war nun zu Ende. QUASTER gab noch Autogramme und stand auch für Fotos zur Verfügung. Anders als im letzten Jahr leerte sich die Lokalität recht schnell. Dies war sicher der eigenartigen Situation geschuldet. Nach der Veranstaltung erfuhr ich noch, dass Berlin für diesen Tag ab 20:00 Uhr alle Veranstaltungen untersagt hat. Das war aber nur über Funk- und Fernsehen kurz vorher verbreitet worden. In Neu-Helgoland war das dadurch nicht mehr angekommen.

Dem Haus und den Künstlern gelten mein großer Dank und Respekt, dass sie uns diesen Abend noch ermöglicht haben!

„Ich bereue nichts“, die Show schon zum inzwischen 23. Mal gesehen zu haben. Sie ist einfach klasse! Und auch jedes Mal etwas anders. Einige Wortspiele auf der Bühne entstehen aus der Situation. Und gerade dieser Abend war ganz besonders!