Columbiahalle Berlin


A NIGHT WITH ROCK LEGENDS - BONFIRE & FRIENDS

 -ein Bericht von Ingo Friedrich -

 

Muss ich eigentlich zu dem "Bonfire & Friends" - Auftritt in Berlin noch etwas schreiben, nachdem Christian Reder von "Deutsche Mugge" schon ausführlich von seinem Erlebnis in Oberhausen berichtet hat? Nein, ich MUSS nicht, aber es ist mir ein Bedürfnis, denn jedes Konzert ist anders als das vorherige, jedes Publikum reagiert anders, auch jeder Musiker kann bei einer so langen Tour mal einen schlechten Tag haben.  Aber nicht heute, nicht in Berlin. Hier waren ausnahmslos alle sehr gut drauf und rockten die kleine, aber feiner Columbiahalle. Wie auch schon in Oberhausen gab es nur einen Punkt, der wirklich unerklärlich ist. So viele Weltstars auf einmal sieht man für so wenig Geld wahrscheinlich nie wieder zusammen musizieren. Trotzdem war die Halle nicht mal zur Hälfte gefüllt. Jetzt muss ich mal ganz blöd fragen: "Stirbt das Publikum für die legendären Musiker der 70er und 80er Jahre langsam aus? Wollen alle nur noch Justin Timberlake, Lady Gaga oder Tim Bendzko hören?" NEIN!

 

Alle, die bisher die Show gesehen haben, waren einfach nur begeistert, von der Professionalität mit der die Altmeister des Rock über drei Stunden ohne Pause das Publikum auf einem sehr hohen Level unterhalten konnten.

 

Gegen 19.30 Uhr ging es mit dem Vorprogramm los. Eine Hardrockband namens "Metal Law", die das Publikum schon mal langsam auf "Betriebstemperatur" brachte und darauf vorbereitete, welche Musikrichtung danach die "Legends of Rock" aufführen werden. Dafür, dass ich außer bei "Bon Jovi" und den Puhdys nie bei einer richtigen Rockband war, fnd ich den Opener des Abends schon mal ganz gut. Mein persönliches Umfeld ist eher das "Rock-Pop-Business", aber heute mal Hardrock bis Heavy Metal. Warum auch nicht, es war eine tolle Erfahrung! Die Berliner Vorband existieren seit 2005 und legten los mit "Crusaders Of Light", "In Metal We Trust", "This Dream", "Lord of Evil" und "Power & Glory". Zum Schluss noch für das Publikum ein Mitsingetitel namens "Hellride Of Steel". So schnell war eine halbe Stunde rum und trotz "Zugabe"-Rufen musste Schluss sein, für eine kurze Umbaupause, bevor das Hauptprogramm beginnen konnte.

 

Als Erstes kamen natürlich die Gastgeber dieser grandiosen Tour auf die Bühne. BONFIRE eröffnete die Show mit den eigenen Songs "Ready 4 Reaction" und "Sweet Obsession".

Und schon wurde vom sympathischen Bonfire-Frontmann Alexx Stahl der erste Gast auf die Bühne gebeten. Kein geringerer als das "musikalische Genie" (Zitat von Hans Ziller - Bonfire) PAUL MORRIS. Keyboarder u.a. von Richie Blackmore's RAINBOW. Er spielte aber auch schon mit den deutschen Stars DORO und NENA zusammen. Sein Einstiegslied für heute war "Black Masquerade". Allerdings blieben er und sein Keyboard während der gesamten Show auf der Bühne aktiv.

 

Als zweiter Gastsänger kam jetzt JAMES CHRISTIAN, Frontmann der amerikanischen Hardrockband "House Of Lords" und seit über 20 Jahren verheiratet mit ROBIN BECK, die später auch noch auftreten wird. James brachte die zwei Titel aus seiner Band mit: "Wanna Be Loved" und "Love Don't Lie".

 

Und schon kommen wir zum einzigen deutschsprachrigen Act des Abends, gleichzeitig der einzige Gast, der nicht nur seine Stimme, sondern auch seine Gitarre mit auf die Bühne brachte. Es war der jung gebliebene, uns allen bekannte "alte" Rocker QUASTER von der Rocklegende PUHDYS. Spätestens seit dieser Tour kennt man ihn auch in den USA, woher die meisten Künstler des Abends her kamen als "German Rocklegend Quaster". Und dass er den Rock immer noch drauf hat, konnte er heute eindrucksvoll unter Beweis stellen. "Frei wie die Geier", der Titelsong des 20 Jahre alten, aber für mich immer noch besten, Puhdys-Albums der 90er rockte jetzt ein bisschen mehr als damals. Als nächstes wollte Quaster die "Erinnerung" an die 70er Jahre mit gleichnamigen Song wieder ins Gedächtnis rufen. Er sprach von den guten, alten Zeiten mit DEEP PURPLE, THE DOORS und URIAH HEEP. Aus dem Publikum kam von einem mir sehr gut bekannten Freund der Zwischenruf "... und die Puhdys!". Gelächter, Zustimmung und Beifall waren die Folge. Jetzt aber endlich der über 40 Jahre alte DDR-Hit aus dem Jahre 1977, der sich damals gegen "Alt wie ein Baum" und CITY's Erfolgshit "Am Fenster" durchsetzen konnte: "Erinnerung". Zugegeben, bis auf die Melodie und den Text konnte man vom Original nicht mehr viel erkennen. Aber das war auch gut so, denn jetzt zeigte sich erstmal, was wirklich in dieser Puhdys-Komposition steckte. Der Text von Wolfgang Tilgner ist auch heute noch eindeutig, zweideutig, lyrisch, zum nachdenken. Mit diesen Texten legten er und Burkhard Lasch das Fundament für die späteren Erfolge der heute legendären PUHDYS. Schon das Intro begann völlig anders als das Original, einfach rockiger. Nachdem Quaster seine Strophen gesungen hatte, folgte ein unheimlich langes, neu eingebautes Gitarrensolo. Okay, solo kann man es eigentlich nicht nennen, denn es waren inklusive Quaster gleich vier hervorragende Gitarristen am Werk. Ronnie Parkes am Bass sowie Frank Parle und Hans Ziller an der Leadgitarre. Nicht zu vergessen, auch Tim Breideband hatte seinen Anteil am krachenden Rhythmus dieses quasi neu entstandenen Werkes. Als Puhdys-Fan erinnerte mich diese überlange Live-Version an die von den PUHDYS gespielte Version von "Ikarus". Nur wesentlich kraftvoller. Zum Abschluss des "Quaster-Parts" durfte natürlich sein größter Hit "Alt wie ein Baum" nicht fehlen. Auch hier wurde nicht unwesentlich am Sound gebastelt und aus diesem "Fast-Schlager" ein Mitsingsong produziert. Und die Band "Bonfire", wie auch die Fans sangen alle im Chor mit. Was für ein Auftritt unf was für eine Ehre, als einziger deutschsprachiger Musiker und als einziger Gast-Gitarrist in einer Reihe mit diesen weltweit bekannten Musiklegenden zu stehen! Ganz bescheiden sage ich einfach mal, dass sich das Quaster im Laufe seines Lebens erarbeitet hat und diese Ehre auch verdient.

 

Nach dem einzigen deutschsprachigen Sänger des Abends folgte die einzige Frau der Veranstaltung: ROBIN BECK. Bekannt ist sie, seitdem ihr Song "First Time" 1988 für eine Werbung von Coca Cola herhalten musste. Das war allerdings nicht der einzige Hit dieser kleinen, aber ziemlich cool wirkenden Frau auf der Bühne. "Save Up All Your Tears" und "Tears In The Rain" gehörten in den 80ern ebenfalls zu meinen persönlichen Favoriten.

 

Wie schon am Anfang des Abends durfte Keyboarder PAUL MORRIS jetzt noch zweimal als Keyboarder im Mittelpunkt stehen. Erst mit dem Rainbow-Song "Man On The Silver Mountain" und nach einer sehr langen Keyboard-Solo-Overtüre  begannen er und Frank Pane mit ein paar sehr bekannten Tönen, die jeder Musikliebhaber sofort als das Intro von "Child In Time" ausmachten. Dieser Song, schon im Original von Deep Purple ein Hit mit Überlänge, wurde hier in einer nicht enden wollenden 12-Minuten-Version gespielt. Und was für ein bombastischer Soundteppich da auf der Bühne ausgerollt wurde - unglaublich! Als wären Deep Purple von damals mit den Möglichkeiten von heute neu entstanden. Einfach phantastisch, dass ich das miterleben durfte!

 

Als nächster musikalischer Gast wurde JOHNNY GIOELLI, Sänger von "HARDLINE" angekündigt, der allerdings seit zwanzig Jahren auch bei der erfolgreichen Band "Axel Rudi Pell" singt. Als er die Bühne betrat, wusste ich nicht, hat er ADHS oder einfach einen zappelnden Frosch verschluckt. Nie habe ich jemanden so permanent quer über die Bühne springen sehen. So eine Kondition traut man nicht mal einem 20-jährigen zu, aber er müsste ja etwa doppelt so alt sein. Respekt für diese Leistung! Seine Songs waren "Dr. Love", "Hot Cherie", sowie der Klassiker von Leonard Cohen "Hallelujah".

 

Jetzt wurde es richtig heavy, im wahrsten Sinne des Wortes. CHRIS BOLTENDAHL, seit 1980 als Heavy-Metal-Musiker erfolgreich unterwegs, rockte er die Bühnen wie kein anderer mit seinen Hits "Rebellion" und "Heavy Metal Breakdown".

 

Als nächster BOBBY KIMBALL, damals Sänger bei "TOTO", als die heute aufgeführten Songs im Original eingespielt wurden: "Hold The Line", "Rosanna" und natürlich "Africa". Er hatte irgendwie "Quasselwasser" getrunken, redete viel, aber leider ausschließlich englisch. Trotzdem konnte ich raushören, dass Vorfahren von ihm aus Frankfurt am Main kamen. Deshalb ist er immer wieder gern in Deutschland.

 

Der nächste Rocker hieß GEOFF TATE, ebenfalls ein "alter" Metal-Rocker, der seit Ende der 80er in der Szene bekannt ist. Der seiner zahlreichen Hits durfte er heute mit musikalischer Unterstützung von Bonfire singen: "Jet City Woman", "Silent Lucidity" und "Eyes Of A Stranger".

 

Drei Stunden straffes Programm waren vorrüber, aber es war noch nicht zu Ende. 

Als letzter Gastsänger wurde DAVE BICKLER angekündigt. Ursprünglicher Sänger der amerikanischen Rocklegende "SURVIVOR". Sicher kennen viele die Hits "Caught In The Game" und "Burning Heart". Aber der absolute Über-Hit war 1982 der Song "Eye Of The Tiger", der von Sylvester Stallone als Titelsong für den Film "Rocky III" ausgewählt wurde. Auch dieser Song klang, von Bonfire wieder hervorragend "entstaubt", als wäre er im Jahr 2018 erst komponiert worden. Absolut zum Abrocken geeignet!

 

Das war es also? Nicht ganz!

Alexx Stahl erklärte, dass viele der heute auftretenden Stars aus Amerika kommen, deshalb wohl kein Titel als Abschluss besser wäre, als ein BONFIRE-Song namens "American Nights". Im Laufe des Songs kamen nach und nach ALLE Mitwirkenden des Abends noch einmal auf die Bühne. Das gab zum Schluss ein imposantes Bild von Weltstar an Weltstar. Hunderte Jahre Musiklegende in einer Reihe - das wird es so schnell nicht wieder geben. Vielen Dank an BONFIRE, dass sie diese Tour möglich machten und vielen Dank, dass ihr gerade unseren QUASTER, eine deutsche Rocklegende, zu dieser Tour eingeladen habt.